Donnerstag, 2. August 2012

T - 9: Objective Finishline!

Langsam aber sicher hat sich der grosse Tag angeschlichen: Nur noch sechs Tage bis der Swiss-Flug LX16 meine Eltern, Maureen, mich und - auch nicht ganz unwichtig - mein weisses Canyon von ZRH nach JFK transportiert und nur noch neun Tage bis ich auf der Startbrücke des ersten IM in bzw. um New York City stehen werde.

Auf dem Weg dorthin hat sich ein hübsches Sümmchen Trainingsstunden angesammelt in welchen ich eine stattliche Zahl an Kilometern geschwommen, gestrampelt und gelaufen bin. Ich habe fleissig meine Rumpfkraft trainiert und sogar ein wenig auf meine Ernährung geachtet, habe lange Trainings absolviert und kurze, harte und lockere, schnelle und langsame, solche mit Hügeln und Bergen und immer wieder auch flache. Ich habe im Käpfnach bei 10 Grad und steifer Bise gefroren und in Thailand bei 36 Grad geschwitzt, ich habe gelitten und genossen, still vor mich hin geflucht und laut (manchmal auch über mich selbst!) gelacht.

Das alles hat geholfen, dass ich mich in meinem Leben noch nie so fit gefühlt habe wie im Moment. Doch wie sehr mir das Ganze am 11. August, auf 140.6 Meilen zwischen der Startbrücke im Hudson River und der Finishline im Riverside Park helfen wird, wird sich zeigen. Mein Respekt ist gross, sehr gross sogar, denn 140.6 Meilen sind mehr als 2x70.3. Es wird ein sehr langer und sehr harter Tag, ich erwarte Momente, Gefühle und Gedanken, die ich eigentlich gar nicht erwarte. Darum steht trotz all des seriösen Trainings keine Zeit und auch kein Rang im Mittelpunkt, sondern ganz einfach die Finishline. Sie ist nicht nur das Ziel, sie ist auch mein Ziel.

Stay tuned about the Ironman U.S. Championship. Here.

Samstag, 16. Juni 2012

Challenge Kraichgau

Gemäss den offiziellen Verlautbarungen wurde der IM 70.3 Switzerland am 3. Juni zum sechsten und vorerst letzten Mal durchgeführt - zumindest in Rapperswil. Daher: Ruhet in Frieden, "Witches Hill", "The Beast" und "Stairways to Heaven". Und: Es lebe die Challenge Kraichgau!

Weshalb? Nun, vier Mal war ich in Rapperswil am Start, wirklich in seinen Bann gezogen hat mich das Rennen trotzdem nie. Anfang Juni sind die Wassertemperaturen im Obersee nie ganz so wie ich es mag, die Radstrecke mit ihren teilweise steilen Anstiegen scheint mir auch nicht wirklich zu liegen und eine Laufstrecke, die sich beinahe schon konsequent von Zuschauern fern hält, macht irgendwie auch nicht so richtig Spass. Und die Organisation war zwar immer tiptop, aber vom Hocker gehauen hat sie mich auch nie.

Ganz anders die Challenge Kraichgau, an welcher ich am letzten Sonntag erstmals teilgenommen habe: Schwimmen in einem gut temperierten Baggersee, eine hügelige und anspruchsvolle, aber eben auch abwechslungsreiche und wunderschöne Radstrecke und zum Abschluss drei Runden à 7 Km mit ständigem Auf und Ab sowie je zwei Passagen im Zielbereich und vielen, vielen begeisterten Zuschauern. Dazu eine absolut perfekte Organisation und unendlich motivierte Helfer. Nach dem letzten Sonntag kann ich ohne weiteres behaupten, dass ich dem 70.3-Rennen von Rapperswil keine einzige Träne nachweine. Und dass ich jedem Triathleten nur wärmstens empfehlen kann, sich den 09. Juni 2013 bereits jetzt im Kalender dick anzustreichen und auf Google Maps mal zu schauen, wo dieser Kraichgau denn genau liegt.

Streckentechnisch und organisatorisch war also alles bestens angerichtet, als ich am Sonntag Morgen kurz vor 09:15 an der Startlinie so vor mich hin plantschte und auf den Startschuss wartete. Dazu kamen trockene und kühle, aber nicht kalte Bedingungen - ebenfalls ideal. Einzig die Frage, wie gut ich zwei so lange Rennen innerhalb von nur einer Woche verkraften würde, sorgte noch für etwas Unsicherheit. Grundlos, wie ich bald einmal merkte: Ich kam gut weg, setzte mich gleich an die Spitze meiner Welle und weil es sich so einfach schwamm, fand ich mich schon ziemlich bald in der ersten Wechselzone wieder. Dann ein schneller Wechsel und los konnte es gehen mit der Radfahrt durch das "Land der 1000 Hügel". Ob es tatsächlich genau 1000 Hügel sind, habe ich nun wirklich nicht kontrolliert, aber ich kann versichern, dass es einige waren: Rauf und runter und rauf und runter, nie wahnsinnig lang zwar und auch nie grausam steil, aber eben immer und immer wieder. Weil es auch auf dem Rad äusserst problemlos lief, konnte ich mich im Laufe der 90 Km immer weiter durch die 15 Minuten vorher gestartete Welle arbeiten, so dass ich nach insgesamt etwas mehr als 3 Stunden Rennzeit auf die noch ziemlich leere Laufstrecke wechseln konnte. Die 1000 Hügel lagen damit zwar hinter uns, weil die Städteplaner von Bad Schönborn ihr Gemeindegebiet vor der Bebauung aber nicht richtig planiert haben, war das Auf und Ab auch Bestandteil der Laufstrecke. Ebenfalls nicht ganz ohne, aber so abwechslungsreich, dass ich mich ruckzuck am Ende der dritten Runde befand und nach weniger als 4:40 auf die Zielgerade einbiegen konnte. Zugegeben ziemlich am Ende, aber auch richtig zufrieden, denn im Gegensatz zum Rennen in Rapperswil war dieses Mal auch das Laufen so, wie ich es mir vorgestellt hatte.


Mit dem Zieleinlauf neigte sich auch ein unvergessliches Triathlon-Weekend dem Ende entgegen, während welchem ich einem der Besten immer mal wieder über die Schultern blicken durfte. Untergekommen sind wir nämlich bei einem gewissen Thomas Hellriegel, den wir im letzten November anlässlich des Indian Ocean Triathlon auf Mauritius kennen lernen durften. Ein echt toller Typ mit einem ganz feinen Charakter. Allein, dass er uns einfach so bei sich aufnahm, uns verköstigte und sich auch sonst das ganze Wochenende über immer um uns kümmerte, beweist das schon. Vielen Dank, Thomas!

Zuletzt möchte ich für einmal auch meine Maureen, die zwei Wochenenden hintereinander das ganze Triathlon-Tamtam mitgemacht, stundenlang an der Strecke gestanden, unterstützt und viele tolle Fotos geschossen hat, nicht vergessen. Ohne deine Unterstützung wären die Kilometer jeweils noch viel länger und härter als sie es eh schon sind.


Montag, 4. Juni 2012

IM 70.3 Switzerland

Vorab die Antwort auf die Frage, welche mir ein gewisser G.F. aus H. (vormals aus F.) vor einigen Tagen gestellt hat: Ja, ich lebe noch! Und das sogar sehr gut. :-)

Da ich mich seit meiner Rückkehr aus Thailand vor sechs Wochen aber auch wieder ins Arbeitsleben integrieren musste, waren News an dieser Stelle nicht nur rar, sondern gänzlich inexistent. Aber trotz meiner (geglückten) Re-Integration und obwohl ich schon sagen muss, dass die schweizerische Ausgabe des Petrus seinem thailändischen Pendant - zumindest was die Trainingsbedingungen betrifft - hinsichtlich stabilen Wetterlagen und brauchbaren Temperaturen um einiges nachsteht, konnte ich seit Mitte April mehr als nur brauchbar trainieren.

Und so kam es, dass ich am letzten Samstag in Rapperswil meine Startunterlagen abholte, mein Rad in die Wechselzone stellte und Gestern Sonntag an der Startlinie aufkreuzte. Die Geschichte des Rennens danach ist schnell erzählt: Einen schnellen Wasserstart hingelegt und gut weggekommen, solid geschwommen, für meine Verhältnisse gut gestrampelt, am Ende aber leider nur normal gelaufen. Alles in allem reichte das beim vierten Anlauf in Rapperswil mit 4:41:45 aber immerhin zum ersten Mal zu einer vorzeigbaren Endzeit und somit auch zu einem Resultat, welches mich positiv stimmt für die nächsten Starts.

Wobei der nächste Start ja bereits unmittelbar vor der Tür steht: Nach einer Woche, in welcher nun Erholung Trumpf ist, heisst es am nächsten Sonntag Vorhang auf zur Challenge Kraichgau! Wiederum wird die Reise aus 1.9km Swim, 90km Bike und 21.1km Run bestehen, für einmal aber ohne das ganze WTC-Bimborium. Auch wenn im Moment noch die Müdigkeit von Gestern überwiegt, so ist die Vorfreude auf das nächste Wochenende doch schon riesig. Grund dafür: Allen verfügbaren Meinungen nach handelt es sich beim Wettkampf im Kraichgau um einen der tollsten Anlässe über die Halbdistanz überhaupt. Und ich selbst bin gespannt darauf, wie ich zwei längere Rennen innert einer Woche hinbekomme.

Womit ich nochmals auf Rapperswil zurückkommen will: Hilfreich auf den Kilometern zwischen Start und Ziel waren auch die vielen bekannten Gesichter und Stimmen, sowohl an als auch auf der Strecke. Auch wenn ich nicht alle gesehen und ich mich nicht immer umgedreht habe, so tun solche Zurufe doch immer wieder sehr gut. Vielen Dank!

Speziell erwähnen möchte ich in diesem Zusammenhang auch meine Eltern, die Gestern ebenfalls mit von der Partie (wenn auch nicht selbst am Start) waren. Vom Startschuss um 09:40 bis zu meinem Zieleinlauf kurz nach 14:20 waren sie in und um Rapperswil, haben Daumen gedrückt, angefeuert, mitgefiebert, gewartet und wieder angefeuert. Toll, wenn man solche Eltern hat und toll auch, dass sie mich im August nach New York begleiten werden! Insofern stellte der gestrige Tag auch für sie einen Teil der Vorbereitung für den 11. August dar. Eine Vorbereitung, die bisher wie am Schnürchen verläuft: Die Grundlagen (d.h. die grundsätzliche Begeisterung, Kenntnisse über Ablauf, Wechsel, Verpflegung, usw.) haben wir in den letzten fünf Jahren gelegt, einzig an einigen Details (bzgl. direkter Unterstützung) müssen wir, wie die folgenden zwei Fotos zeigen, in den kommenden beiden Monaten nun noch etwas arbeiten:






Montag, 16. April 2012

"Happy New Year" & "Home Sweet Home"

Mittlerweile ist es soweit, ich bin wieder in der Schweiz. Auch wenn mir die zwei Monate in Thailand unglaublich gut gefallen haben, so ist es doch immer schön, wieder nach Hause zu kommen. Einzig auf den Dauerregen und die kühlen Temperaturen hätte ich gerne verzichten können, denn: Dass ich meinen ersten Dauerlauf nicht oben ohne würde absolvieren können, damit hatte ich ja gerechnet. Dass ich aber gleich langes Hosen, Jacke, Mütze und Handschuhe würde in Betracht ziehen müssen, war ausserhalb meiner Vorstellung. Sehr, wirklich sehr gewöhnungsbedürftig!

Abgesehen davon, dass in der Schweiz noch niemand die Heizung angestellt hat, ist jedoch alles in bester Ordnung: Ich wurde am Flughafen abgeholt, meine Wohnung steht noch, an den Rechtsverkehr habe ich mich wieder gewöhnt und auch den Kühlschrank konnte ich mittlerweile wieder füllen.

Immerhin muss ich zugeben, dass ich in Phuket am letzten Freitag schon einmal auf das hier herrschende Regenwetter vorbereitet wurde - und zwar so richtig! Grund dafür, war, dass in Thailand am vergangenen Donnerstag das alte Jahr zu Ende ging und am Freitag das neue Jahr begann. Genannt wird das Ganze "Songkran" und gefeiert wird der Spass in Form einer riesigen Wasserschlacht. An jeder Ecke stehen Einzelne oder Gruppen mit kleinen und grossen Wasserpistolen, Schläuchen oder Wasserbecken um die passierenden Fussgänger sowie Auto-, Scooter- und (dummerweise) auch Radfahrer nass zu spritzen. Dazu gesellt sich hier und da noch etwas Farbpulver, so dass man nicht nur nass, sondern unter Umständen auch schön bunt wird. 

Zu erleben, wie die Thailänder den Start in ein neues Jahr zelebrieren, war zwar ein grossartiges Erlebnis, am Ende von 130 Kilometern auf dem Rad zugegebenermassen aber auch zunehmend etwas nervig. Letzteres im krassen Gegensatz zum anschliessenden, stündigen Koppellauf: Rückwirkend hätte ich mir bei jedem meiner Läufe in Thailand gewünscht, dass ich alle paar Meter mit - mehr oder weniger - kühlem Wasser angespritzt werde. Das hätte wohl den einen oder anderen Kilometer etwas angenehmer gestaltet.

Neben diesem farbig-feuchten Abschluss, bleiben mir viele gute Erinnerungen an Thailand: Die netten Menschen, die schöne Natur, tolle Trainings, das dauernd sonnige Wetter, das feine Essen, die köstlichen Früchte, die Gerüche und vieles mehr. Thanks to everyone, who crosses my way and thank you Thailand, for two unforgettable months!

Freitag, 13. April 2012

Thailand - Land of Smiles, Home of Speed Bumps

Dass Thailand nicht nur als das Land des Lächelns gilt, sondern es auch tatsächlich ist, kann ich nach zwei Monaten mehr als nur bestätigen. Egal wo man hinkommt, ob in ein Restaurant, in einen Supermarkt, zum Coiffure, in den Massagesalon, überall wird man mit einem Lächeln begrüsst und auch wieder verabschiedet. Naja, letzteres zumindest, wenn man sich selbst auch entsprechend aufgeführt bzw. verhalten hat. Und das schöne dabei ist, dass es immer echt wirkt.

Daneben kann man aber auch sagen, dass Thailand auch die Heimat der Speed Bumps (zu Deutsch: Bremsschwelle) ist. Über die Qualität der Strassen habe ich mich ja bereits sehr positiv geäussert. Aber was die Speed Bumps betrifft, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass es in irgendeinem Land der Welt mehr davon gibt als in Thailand! Ausserhalb der Dörfer sind sie extrem selten, teilweise sogar absolut inexistent. Doch kaum hat man die Grenze zu einem Dorf passiert, sind sie da: Klein, häufig fast unsichtbar und äusserst gefährlich, wenn man sie nicht sieht und mit dem Rad unvorbereitet darüber donnert. Um das Ganze noch ein wenig "spektakulärer" zu machen, bauen die Thailänder gelegentlich sogar drei oder vier Speed Bumps hintereinander.

Natürlich habe ich mir die Frage gestellt, weshalb die Thailänder überhaupt so viele Speed Bumps bauen? Von "benötigen" würde ich nicht sprechen, so grausam schnell fahren sie mit ihren Autos in der Regel nämlich nicht, als dass allenthalben Speed Bumps vorhanden sein müssten. Da ich aber leider weder vom Strassenverkehrsamt von Phuket noch vom Tiefbauamt eine Information erhalten habe (wobei zugegebenermassen auch mein Thailändisch nicht genug gut ist, um solche Dinge zu erklären), habe ich die Bauart der Speed Bumps genauer betrachtet. Und siehe da, es gibt zwei unterschiedliche Arten von Speed Bumps: Die schön gebauten, mit gelb/schwarzen Markierungen versehenen und teilweise sogar mit Schildern vorgängig angekündeten sowie die etwas weniger perfekt gebauten und niemals markierten. Interessanterweise finden sich erstere häufig Ein- und Ausgangs von Dörfern, während sich letztere eher in der Mitte der Dörfer, vorzugsweise direkt vor einem Häuschen, befinden. Es scheint also die offiziellen und und die inoffiziellen Speed Bumps zu geben, ganz nach dem Motto: Es wäre zwar wohl nicht ganz im Sinne von Polizei und Tiefbauämtern, aber vielleicht sollten wir in der Schweiz - um den Rasern Herr zu werden - den Bau von Schwellen auch (teil-)privatisieren?

Die Speed Bumps haben mich während der letzten neun Wochen zwar immer mal wieder genervt, aber natürlich gewöhnt man sich mit der Zeit daran.
Etwas gewöhnungsbedürftiger war dafür aber die Welle, die am letzten Mittwoch Abend im Begriff war, auf uns zuzurollen. Nachdem am späten Nachmittag die Erde sehr spürbar und während einer gefühlten Ewigkeit gebebt hatte, wurde Tsunami-Alarm ausgelöst. Auch wenn Bangtao Beach, wo sich unser Appartement befindet, bei der Katastrophe im Dezember 2004 überhaupt nicht betroffen war, hiess es, sich in die Höhe bzw. ins Landesinnere und somit in Sicherheit zu begeben. Glücklicherweise entstand kein (grosser) Tsunami, Phuket war überhaupt nicht betroffen und der Alarm konnte nach einigen Stunden widerrufen werden, so dass wir auch die Nacht auf Donnerstag im Chom Tawan verbringen konnten.
Zugegebenermassen möchte ich eine solche Situation nicht unbedingt nochmals erleben. Immerhin weiss ich nun aber, dass mein Verstand in solchen Situationen absolut logisch funktioniert (oder waren es lediglich Instinkte?): Auf dem Weg ins Landesinnere habe ich mich zum Big One Super Market in Talang begeben und dort Schokolade von Lindt und Gummibärchen von Haribo gekauft. Wenn schon von einer Welle veschluckt werden, dann wenigstens mit den richtigen Süssigkeiten im Bauch!